Love Letter: LCD Soundsystem

„Let’s make love and listen to death from above“
— CSS

Eine von vielen coolen Zeilen, die mit James Murphy in Verbindung stehen und das, obwohl der besagte Song weder von ihm noch von einem Künstler seines Labels DFA Records, früher Death from Above, stammt, sondern von CSS. Und da sind wir auch schon mittendrin - James Murphy. Ein Mann, der die 00er Jahre mit geprägt hat, nicht nur als Künstler, sondern auch als einer von zwei Labelbossen, neben Tim Goldsworthy. Bands wie The Rapture, Juan MacLean und LCD Soundsystem bestimmten mit ihrem Sound die Indiediscos ab 2005. 

Heute soll es jedoch vor allem um eine Band gehen. LCD Soundsystem, James Murphys Baby, welches im vergangenen Monat mit ihrer Single „call the police/ american dream“ ein gelungenes und vor allem relevantes Comeback feierten.

 

Was ist an dieser Band so besonders?

Wieso sollte man genau diese Band kennen, schließlich geht es hier um Essentials und lass dir gesagt sein, das LCD Soundsystem ist ein essentieller Bestandteil eines guten Musikgeschmacks. 

 

„american dream“

Murphy wählt mit Bedacht seine Schritte, sein künstlerisches Erbe ist weder hingerotzt noch dem schnöden Mammon folgend. Sicherlich kann der Vorwurf des Sellout kommen, wenn man als Comeback große Festivals und Auftritte bei Saturday Night Live wählt, jedoch muss die Qualität des Comebacks bedacht werden. Während viele Bands versuchen an alte Hits anzuknüpfen und von diesen weiterhin leben, schafft es Murphy den Kreativmotor wieder anzuwerfen und nicht redundant zu erscheinen. Dies erkennt man an „american dream“ und an „call the police“. Das hoffentlich bald folgende Album wird diesen Eindruck sicherlich bestätigen.

 

„You wanted a hit But maybe we don’t do hits“

Die Qualität einer Band wird gemeinhin an Hits gemessen und auch, wenn Murphy behauptet keine zu fabrizieren, so finden sich eine Vielzahl derer im Backkatalog, man höre sich nur „Daft Punk is Playing In My House“, „Losing My Edge“ oder auch „Home“ an. Von den großartigen Videos ganz zu schweigen.  

 

„Yeah no one ever knows what you’re talking about So I guess you’re already there“ 

Gibt es objektive Kriterien für einen guten Texter? Der geneigte Sprachwissenschaftler hat sicher eine ganze Palette, für mich reicht bereits der Umstand, dass James Murphy einen Job als Schreiber bei Seinfeld ablehnte. Dies und die Texte selber zeigen den Humor, der sich in den Songs versteckt. Egal wie traurig und deprimierend sie scheinen, der Schalk sitzt im Nacken, wer sonst käme auf die Idee für eine Ode an New York Kermit den Frosch als Hauptdarsteller des Videos zu besetzen? 

 

„All I Want“

Überhaupt New York, eine Stadt, die nicht arm an Hymnen über sie ist, stellt mit seiner Musikhistorie die Inspirationsquelle für das LCD Soundsystem dar. Es scheint als habe Murphy die Songs der 70er und 80er inhaliert. 

Eklektisch war Anfang der Nullerjahre die von vielen Künstlern heraufbeschworene musikalische Eigenschaft. Beim LCD Soundsystem zeigt es sich in den Songs, die sicherlich hauptsächlich der Dancemusik zuzurechnen sind, aber auch immer wieder Ausflüge in Drone, Synthpop, Darkwave und Postpunk unternehmen. Vor allem auf dem 2010 erschienenen Album „This is happening“ sind mit „All I Want“ und „I Can Change“ zwei hervorragende Reminiszenzen an diese Musikrichtungen zu finden.

 

Me And Giuliani Down By The School Yard (A True Story)“ (!!!)

Murphy zog 1989 nach New York, nachdem er nur eine Stunde entfernt in New Jersey aufwuchs, mit dem Gefühl lebend, die kulturellen Hochzeiten der Stadt, seiner Ansicht nach die späten 60er und 70er Jahre, verpasst zu haben. Blickt man zurück auf sein Schaffen, auf seine Band, auf seine Arbeit als DJ, Remixer und Labelboss, dann muss man sagen, er hat zu einer neuen Hochzeit beigetragen. Die Jahre nach dem Tanzverbot durch Rudy Guiliani wurden auch durch Murphy zu einer neuen Epoche New Yorker Musik, die aufgrund ihrer Qualität nie an Relevanz verlieren und auch in Jahrzehnten noch zitierfähig sein wird.

Ein musikalischer Liebesbrief von: Philipp Priebe // Musikautor // DJ