Copenhagen Design Tour

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Hans Jørgensen Wegner, Arne Jacobsen, Finn Juhl, Nanna Ditzel - die Mehrheit der Granden des zeitgenössichen Designs waren Dänen. Seit den 1950er Jahren halten ihre Entwürfe überall auf der Welt weiterhin unaufhaltsam Einzug. Noch heute gilt der ScandiChic zu den begehrtesten Einrichtungsstilen. Modern, funktional und eben zeitlos. Dänisches Design nimmt in Betrachtung der Wohnkultur über die Jahrzehnte einen großen Stellenwert innerhalb des Skandinavischen Designs ein. Neben Finnland und Schweden hat sich Dänemark mit seinen Designern einen festen Platz unter den Stilzentren weltweit geschaffen und das nicht nur im Norden. Georg Jensen, Verner Panton, Bjørn Wiinblad, Kare Klint, Poul Henningsen - gäbe es einen Designolymp, wäre er wohl auch in Kopenhagen zu finden. Zeit also für eine kleine, aber feine Bestandsaufnahme der Designszene in Dänemarks Hauptstadt. Können die Enkel und Erben an die großen Erfolge nahtlos anknüpfen? Zusammen mit Jules von HERZ&BLUT führt uns Stil-Expertin Tanja Demmerath, die sich in der Kopenhagener Designszene bestens auskennt, quer durch die City, an den Stadtrand und aufs Land. Lad os gå!

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FRAMA

Zeitgeist trifft auf Geschichte(n)

Das Frama Headquarter und der dazugehörige Studio Store befinden sich im Zentrum von Kopenhagen im historischen und denkmalgeschützten Viertel von Nyboder. Wo 1878 die St. Pauls Apotek erstmals ihren Türen öffnete, ist nun der imposante Wirkungsbereich von Frama. Die Synergie zwischen Vergangenheit und Gegenwart der Räume, spiegelt sich auch in der Designarbeit von Frama wieder. Ein kreativer Dialog zwischen klassischen und zeitgenössischen Ansätzen, zwischen digitaler und analoger Produktion. Das Designteam fokussiert sich vor allem auf natürliche Materialien, einfache Geometrie und eine große Wertschätzung für Beständigkeit. Die Entwürfe innerhalb der Kollektionen verlangen eine Rückkehr zu den Grundlagen des Designs, das darauf abzielt, ehrlich zu sein und zu vereinfachen. Im Rahmen von Designarchetypen steht Frama für einen grafischen und geradlinigen, ästhetischen Ansatz.

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Neben der Vielfalt der verschiedenen Kollektionen bietet Frama ein komplettes Interior Management und entwickelt raumspezifische Designlösungen und kuratiert eine genaue Szenografie in enger Zusammenarbeit mit Architekten und Stylisten von der Startidee bis zur endgültigen Umsetzung.

Frama entwickelt und designed über etablierte Grenzen hinaus. Die Felder und Richtungen sind dabei vielfältig und reichen über Möbel, Beleuchtung, Bücher, Bekleidung bis hin zu Küchenkonzepten. So auch die Apothecary Kollektion, deren Inspirationsquelle die ehemaligen Räume der St. Pauls Apotek sind. Düfte und Körperpflege haben so auch ihren Platz im Frama-Universum gefunden.

"Working within the area of design archetypes, Frama represents a graphical and straight forward aesthetic approach to design."


FREDERICIA

Perfektion + Fortschritt ... seit 1911

Fredericia wurde 1911 als Fredericia Stolefabrik (Fredericia Stuhlfabrik) vom Unternehmer N.P. Ravnsø gegründet und bis zu seinem Tod 1936 erfolgreich geleitet. Von Anfang an wollte Ravnsø, das Fredericia für eine extrem hohe Qualität steht. Er stellte nur die erfahrensten Handwerker ein, um die Marke schnell für hochwertige Möbel bekannt werden zu lassen. Die Familie Ravnsø besaß und betrieb die Fredericia Stolefabrik bis 1955.

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Im Januar 2017 öffnete Fredericia seine Türen zu einem neuen und exklusiven Showroom an der Spitze des historischen ehemaligen Royal Mail House im Herzen von Kopenhagen. Auf 1.100 Quadratmetern auf zwei Etagen verteilt, präsentiert Fredericia sein ganzes Markenuniversum zum ersten Mal mit Geschichten von seiner Gründung im Jahre 1911 bis zum heutigen Tag. Die Besucher können alles von klassischen Design-Icons bis hin zu kreativen Produktneuheiten und einer inspirierenden Galerie mit besonderen Highlights erleben, wie zum Beispiel das ursprüngliche 2213-Sofa von Børge Mogensen, das seit vielen Jahren im eigenen Haus steht.

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Wir hatten schon lange den Traum von einem Ort, wo Tradition, Ästhetik und Kreativität Hand in Hand gehen und unseren Gästen ein vollständigeres Bild gibt von dem, was Fredericia ausmacht. Mit der Eröffnung unseres neuen Showrooms ist dieser Traum Wirklichkeit geworden.
— Thomas Graversen, Eigentümer des Familienunternehmens in zweiter Generation

Raf Simons, Jasper Morrison, Henrik Vibskov sind nur die Speerspitze von bekannten Namen mit denen Fredericia spannende Kooperationen und Designs umsetzt. Ein Stell-Dich-Ein der talentiertesten Designer gehört eben zu Historie, so waren bereits Größen wie Hans J. Wegner, Nanna Ditzel, oder auch Børge Mogensen mit ihren Entwürfen für Fredericia tätig.


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MONTANA

Freiräume für Individualisten

Auf der dänischen Designveranstaltung 3 Days of Design eröffnete Montana einen neuen, besonders farbenfrohen Showroom in der Bredgade 76 in Kopenhagen. 12 inspirierende Räume mit ideenreicher Inneneinrichtung, einer lebendigen Farbpalette und mit Fokus auf Wohnungseinrichtung und das professionelle Büro. Als Peter J. Lassen das Montana­ Regalsystem entwickelte, lag ihm ein durchdachtes mathematisches und philosophisches Prinzip zu Grunde. Die mathematischen Berechnungen sind komplex und basieren auf 5,7 cm, während die Philosophie dahinter einfach ist: alle Elemente in Montanas Universum müssen unendlich miteinander kombiniert werden können, sie müssen prak­tisch, schön, haltbar und unabhängig von wechselnden Modeströmungen sein. 

Die Farbpalette des Showrooms erinnert an die Eiscafés der 1950er Jahre: schaumige Milchshakes, Zuckerwatte, Jellybeans und mintgrünes Schaumgebäck. Die farbenfrohen Räume im Bereich Home umfassen: ein Badezimmer, das die Montana Badezimmer-Kollektion mit einem begehbaren Montana Kleiderschrank in frischem Mintgrün und hellem Grau zeigt, ein riesiges Wohnzimmer mit Bibliothek in Rosa, Türkis und hellen Gelbtönen mit Bar, Regalen und Fernsehecke. Ebenso ein feminines Schlafzimmer in Hellrosa und lila Farbtönen mit Kleiderschrank und Schminktisch.

Gemalte Streifen folgen den Täfelungen und verleihen den ansonsten klassizistischen, architektonischen Details mit Stuck und Gesimsen einen Hauch Verspieltheit. Die Einrichtung zeigt die Neuheiten von 2017/18: Artikel der neuen Kollektion III, die Hall Edition und das Panton Wire Regalsystem. Das Konzept und das Styling sind ein Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Stylistin Gitte Kjær und dem Montana-Designteam. 

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Was suchst Du? Wenn Deine Antwort ‘Lösungen’ lautet, dann bist Du am Ziel. Aber wenn Du sagst: ‘Ich suche nach Möglichkeiten’, dann ist das die Öffnung zu etwas Neuem.
— Peter J. Lassen

Das Montana Regalsystem und die übrigen Montana Modulsysteme wurden von Peter J. Lassen gestaltet. Montanas Tisch- und Stuhlserien stammen von Arne Jacobsen, Verner Panton, Andreas Hansen, Peter J. Lassen, Joakim Lassen, shldesign sowie Salto & Sigsgaard.

Vater und Sohn, Peter und Joakim Lassen, haben mehrere Produkte aus Montanas Sortiment gestaltet - häufig in Zusammenarbeit mit Montanas Designteam und externen Designern.


Rosendahl Design Group

Auf den Spuren von Lyngby Porcelaen, Holmegaard, Kay Bojesen & Bjørn Wiinblad ...

Als eines der wichtigsten Zentren für dänische Designtradition, so könnte durchaus das Headquarters der Rosendahl Design Group in Hørsholm vor den Türen Kopenhagens betrachtet werden.  Das  Ziel ganz klar: dänische Designschätze zu profilieren und zu schützen, indem Klassiker neu entdeckt, aufbereitet und wieder aufgelegt werden. Das Markenportfolio repräsentiert beliebte Klassiker des dänischen Designs sowie innovative Lifestyle-Produkte für Haus, Tisch und Küche. 

Erik Rosendahl hat 1984 die Rosendahl A / S gegründet und von einem Agenturgeschäft zu einem der stärksten Hersteller in Dänemark von Designprodukten entwickelt. Alle Produkte entstehen in einer engen Partnerschaft mit einer Reihe von führenden Designern. Die Ergebnisse sprechen für sich - in unzähligen Häusern auf der ganzen Welt.

Die Entdeckungstour führt durch ein außergewöhnliches Gebäude. Vom Architekten Kim Utzon entworfen und der Innenarchitektur der Künstlerin und Textildesignerin Lin Utzon und ihrer Tochter Naja Utzon folgend, prägen große Panoramafenster, weite Flächen und großzügig gestaltete Räume die Zentrale der Rosendahl Design Group.

Lyngby Porcelaen

Die Porzellanmanufaktur Dänemarks? Die Antwort muss darauf Lyngby Porzellan lauten.  Seit 1936 sind die Produkte maßgeblich an der dänischen Porzellangeschichte beteiligt.  Als die Produktion auf ihrem Höhepunkt war, kamen ein Drittel der gesamten dänischen Porzellanproduktion aus der Lyngby Manufaktur. Hinter der Gründung stand der Großhändler Holst & Knudsen, der 1924 die Kopenhagener Porzellanmalerei erwarb und eine eigene Produktion von Porzellansets, Vasen und anderen Handwerksprodukten aufbaute. Aus der Porcelænsfabrikken Danmark wurde Lyngby Porcelæn gegründet. Die neue Fabrik war auf den neuesten Produktionsstandards und brachte Lyngby Porzellan schnell an die Spitze der Industrie.  Lyngby Porcelæn steht heutzutage wieder für neues Design und neue Design-Talente und schreibt so die Geschichte eines der innovativsten Porzellanunternehmen Dänemarks.


KAY BOJESEN

Silberschmied und Designer Kay Bojesen hatte ein ganz besonderes Talent. Er konnte Holz zum Leben erwecken. Sein Holzspielzeug begeistert mit viel Seele und dem so berühmten Augenzwinkern. Verspielte Äffchen, aufgeregte Pinguine, träge Nilpferde, neugierige Vögel - allen seinen Entwürfen wohnt eine dynamische Lebhaftigkeit inne.  Mit über 2000 verschiedenen Entwürfen war Kay Bojesen einer der produktivsten Handwerker Dänemarks im 20. Jahrhundert. Kay Bojesen behielt seine kindliche Neugier und Lebensfreude bis zum Ende. Er starb im Alter von 72 Jahren und hinterließ ein wichtiges Design-Erbe, das jetzt von seinen vier Enkeln genau bewacht wird.

Die Rosendahl Design Group wurde von der Familie Bojesen ausgewählt, um die populären Entwürfe ihres Großvaters zu entwickeln, zu produzieren und zu vertreiben. Seit dem gibt es wieder mehrere von Kay Bojesens fantastischen alten Designs, die auf der Grundlage seiner Originalzeichnungen produziert werden.


Holmegaard

Die Geschichte der Holmegaard-Glashütte begann im Jahre 1825, als Graf Christian Danneskiold-Samsøe die Erlaubnis des Königs von Dänemark erfragte, eine Glashütte in Holmegaard Mose zu gründen. Der Graf starb jedoch 1823 ohne eine Antwort auf seine Bitte. Seine Witwe, die Gräfin Henriette Danneskiold-Samsøe, beschloss, das Projekt zu verfolgen, als sie kurz nach dem Tod ihres Mannes die Erlaubnis des Königs erhielt, eine Glashütte zu gründen. Die Fabrik sollte sich im Moor befinden, da dort genügend Rohstoffe vorhanden war, um die hohen Temperaturen für den Glasofen zu erzeugen.Die Erstproduktion bei Holmegaard-Glashütten begann 1825. Holmegaard produziert mundgeblasenes und maschinell geblasenes Glas nach den neuesten und fortschrittlichsten Produktionsmethoden.

Neuester Streich, die Wiederentdeckung dänischer Designschätze! Unter diesen, die Crosses Vase von Bodil Kjær, Architektin, Professorin und Kultfigur unter den Designkennern seit den 1960er Jahren. Bodil Kjær schuf die Crosses Vase im Jahr 1961 auf der Grundlage eines Wunsches, funktionale und ästhetische Bedürfnisse zu kombinieren. Die Farben haben in der Wiederauflage eine zeitgenössische Verjüngungskur erhalten. Mundgeblasen kommt die Klassikervase in klaren, rauchigen und transparenten grünen Glas in den Handel.


BJØRN WIINBLAD

Vorhang auf für einen Zauberer der Illustration! Fantasievolle Figuren, lebendige Zeichnungen und unendliche Ideenfreude prägen die Arbeiten von Bjørn Wiinblad. Er wurde 1918 in Kopenhagen geboren. Schon sehr früh zeigte sich sein Talent, fantasievolle Welten zu erfinden und zu zeichnen. Im Alter von 17 Jahren begann er eine Lehre als Typograf, erkannte aber schnell, dass sein Interesse eher einer künstlerischen Laufbahn galt. Sofort nach der Lehre wurde er an der Königlich Dänischen Kunstakademie im Fachbereich Grafik aufgenommen. Obwohl Bjørn Wiinblad aus Kopenhagen kam und dort ausgebildet wurde, war sein Stil alles andere als dänisch. Und während in Dänemark der Funktionalismus wütete, ging Bjørn Wiinblad einen völlig anderen Weg mit gekräuselten Motiven, vielen Farben und romantischen Universen.

Wiinblad brachte sich unterschiedliche keramische Techniken bei, auf deren Grundlage er sein üppiges schöpferisches Talent und seine Freude auf „allen Plattformen“ entfaltete: Gobelins, Kompletteinrichtungen u. a. von Hotels, Grilltischen, Besteck, Porzellan und dazugehörigen Gläsern, Textilien, Plakaten u. v. a. m.

Er wechselte nicht zufällig von einem Objekt zum anderen. Es handelte sich vielmehr um einen kontinuierlichen Prozess, bei dem das eine Objekt auf das andere verwies und Wiinblads Neugierde diesen Flow noch verstärkte.

Ideen und Produktionen sprudelten nur so, und durch seine zahlreichen Kontakte und seine große Schaffensfreude ließ er sich zu übermäßigen Versprechungen hinreißen. Gleichzeitig war er sehr ehrgeizig. „Es wird einem nichts geschenkt“ bekamen seine Angestellten häufig zu hören. Wiinblad hatte aber Freiraum genug, um kreativ zu sein, da sich viele Angestellte um die Formung und Bemalung sowie seinen Haushalt kümmerten.

Das bedeutete jedoch nicht, dass Wiinblad den künstlerischen Prozess nicht persönlich und engagiert begleitete. Seine kindliche Freude kam dadurch zu Ausdruck, dass er fast immer der Meinung war, seine jeweils letzte Kreation sei seine beste gewesen – um dann schnell zum nächsten Projekt weiterzugehen!

In Frühjahr 2017 erweitert die Serie Gobelin mit grafischen Ornamenten die bunte Welt der Wiinblad-Produkte.


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